1 Jahr danach.

Kinder, wie die Zeit vergeht. So ungefähr vor einem Jahr (ich glaube es war der 27.12.2018) saß ich in der nachweihnachtlichen Atmosphäre am Computer und habe eine Umfrage online gestellt, deren Ergebnisse mich total überrascht haben. Die Idee, einen Unverpackt-Laden zu gründen, geisterte ja schon lange durch meine Gedanken – aber wo?

Warum eigentlich nicht Wermelskirchen? .. ging mir durch den Kopf.

Also dachte ich mir: Nutze deine IT Kenntnisse und mach doch einfach mal ne Umfrage. Flugs erstellt und den Link verteilt. Bekommen haben den Link gerade einmal 5-6 Personen, verbunden mit der Bitte, es weiterzuleiten. Da ich selbst zu dem Zeitpunkt schon lange kein Facebook mehr nutzte, konnte ich die Umfrage selbst gar nicht teilen. Ich weiß noch wie ich zu meiner Frau sagte: “Na vielleicht kommen so 200-300 Antworten zusammen, dann kann man zumindest eine grobe Tendenz sehen”. Alter Schwede – was hab ich das unterschätzt 😉

Über 2.000 Antworten.

Am Ende waren es über 2.000 Antworten auf meine Umfrage. Und anstatt einer Tendenz war das Ergebnis ziemlich offensichtlich: 92% wollen einen Unverpackt-Laden in Wermelskirchen. Am Anfang stand dennoch eine hohe Unsicherheit und super viele Fragezeichen. Mach ich das wirklich? Klappt das auch? Kommen denn auch alle, die auf “ja” geklickt haben? Familiär geprägt vom öffentlichen Dienst war die Entscheidung gar nicht so einfach 😉

2019. Was für ein Jahr.

Auch wenn sich die meisten Fragezeichen so nach und nach beantworten ließen – nicht im Traum hätte ich gedacht, was in diesem Jahr alles noch passieren wird. Zwischen der Entscheidung “OK – ich mach es” und der Eröffnung lagen gerade einmal 5 Monate. 5 Monate, in denen alles notwendige gemacht werden musste. Business Plan, Finanzkonzept, Kredit, Crowdfunding, Umbau, Einrichtung, Warenrecherche und -beschaffung, bürokratische Fragestellungen noch und nöcher … auf dem kurzen, aber intensiven Weg habe ich viel Hilfe und tatkräftige Unterstützung bekommen. Unterstützung, für die ich sehr dankbar bin.

Am 2.6. haben wir dann einen gefühlt halbfertigen Laden eröffnet – ich weiß noch, wie meine Möbelschreiner abends vorher bis nachts um 2 geschweißt und geschraubt haben. Parallel haben wir im Akkord Gläser befüllt und Ware eingeräumt. Nach 3 Stunden Schlaf ging es dann weiter. Der Aufwand hat sich gelohnt – der Laden war rappelvoll.

Mittlerweile – nach 7 offenen Monaten – hat sich einiges getan. Das Sortiment hat sich mehr als verdoppelt. Ich bin offiziell bio-zertifiziert und somit ein Bioladen. Mehrere Möbelstücke sind dazugekommen. Gefühlt räume ich jede Woche 5x Ware von links nach rechts und zurück, damit ich Platz für Neues finde. Jeden Tag kommen wunderbare Menschen zu mir, kaufen ein und klönen, töttern und treiben bunten Schabernack. Ich freue mich immer wieder über altbekannte, aber auch neue Gesichter. Ich habe eine Festangestellte und drei Minijobberinnen. Ich kämpfe mich mit Buchhaltung und allerlei Zahlenwerk ab. Wie eine Freundin kürzlich sagte: “Jochen, du bist jetzt Unternehmer”. Wenn man mir das letztes Jahr gesagt hätte, ich hätte vermutlich nett gelächelt und abgewunken 😉

Danke. Danke. Danke.

Ich bedanke mich bei euch allen. Für eure Unterstützung. Euren Zuspruch. Eure Geduld. Eure Ideen und Anregungen. Eure Treue. Euren Wunsch nach Veränderung und ein nachhaltigeres Leben.

Ich bedanke mich ganz besonders bei:
Meiner Familie, die mich seit einem Jahr unterstützt, wo sie nur kann und im Gegenzug viel auf Papa und Ehemann verzichten darf. Bei meinem lieben Möbelschreiner Florian, der mir eine so wunderschöne Ladeneinrichtung gebaut hat, die zum Wohlfühlen einlädt. Bei den feinen Menschen vom Unverpackt-Verband und allen anderen Ladenmenschen, die sich so offen über alles austauschen. Bei allen, die bereits im Crowdfunding an mich geglaubt haben und mich unterstütz haben.

Am meisten bedanke ich mich bei meinen wunderbaren Kindern, die mir jeden Tag aufs Neue zeigen, warum es wichtig ist nicht nur im Heute zu leben, sondern auch an morgen zu denken.